2007 Decca
noch versiegelt
Ein kreativer den John Mayall im Sommer 1968 drei Wochen in Los Angeles in der Laurel Canyon Area verbrachte. Er hatte im Juli seine Bluesbreakers des Bare Wires-Albums während einer Tour durch Deutschland kurzfristig aufgelöst und als einzigen Musiker den Gitarristen seit Crusade-Tagen, Mick Taylor, mit in die neue Band genommen. Zu der gehörten nun auch der Drummer Colin Allen und Bassist Steve Thompson. Der LA-Aufenthalt hatte so tiefe Eindrücke und Erlebnisse bei ihm hinterlassen, dass er die ganzen Songs des Albums innerhalb kürzester Zeit schrieb und es - so Mayall selbst - eines seiner einfachsten Songwriting überhaupt war, weil jeder Song ein Kapitel des Aufenthaltes ist.
So locker und unbeschwert hören sich die Songs auch an, die alle eine hohe Qualität besitzen und ohne hörbare Pause ineinander übergehen. Es war und ist für mich immer eines der besten Alben John Mayalls geblieben, das auch in der Umsetzung mit der damals neuen Band in einer hohen Liga spielt. Erstaunlicherweise nahm er das Album nicht gleich in LA, sondern nach seiner Rückkehr in London innerhalb von nur drei Tagen auf. Es ist auch ein Vorzeigalbum für Mick Taylor, der hier durch das ganze Album einen enormen Freiraum für sein ausgezeichnetes Lead-Play auf seiner Gibson hat und insgesamt sehr positiv dominiert.
"Vacation" beginnt mit dem Geräusch eines landenden Flugzeuges und handelt vom Flug London-LA. "Walking On Sunset", ein heavy Blues-Rock beschreibt Leben und Leute um den Sunset Boulevard. "Laurel Canyon Home" ist ein wunderschöner und ruhiger Slow Blues, der nahtlos in das gegensätzlich laute gitarrenbetonte "2401" übergeht und vom Haus Frank Zappas handelt, den er besuchte. "The Bear" (gemeint ist Bob Hite von Canned Heat) ist ein schöner Blues, der von Canned Heat und deren Leben im Canyon handelt. "Miss James", ein kurzer swingender Titel, hat ein herrliches Orgel-Solo im Mittelteil. Überhaupt spielt John Mayall auf dem Album viel Orgel, was mir sehr gut gefällt. Das Album endet mit "Fly Tomorrow", einem guten 9-Minuten Jam vom Abschied aus LA, der sehr ruhig beginnt und sich dann schnell steigert, wobei alle Musiker eine beeindruckend spielerische Leistung zeigen.
Insgesamt ein ganz starkes Album von John Mayall, der hier eine ungeheuer kreative Zeit hatte und innerhalb von nur drei Wochen so viele gute Songs schrieb, die von seiner neuen Band auf sehr hohem Niveau umgesetzt wurden. Schade, dass dem Album kein echter kommerzieller Erfolg beschieden war, den es ohne Frage verdient gehabt hätte (USA: Platz 68 / GB Platz 33).
Der Klang des vorliegenden Remaster ist ausgezeichnet und die CD hat zwei Bonus-Takes und ein sehr informatives Booklet (14 Seiten) mit vielen neuen Fotos.
Die Band hielt leider nur ein Album lang, Mick Taylor wurde Nachfolger von Brian Jones bei den Stones. Steve Thompson (b) nahm John Mayall mit in seine neue Band mit Jon Marc (acc g) und Johnny Almond (sax, fl), die im Juli 1969 das für ihn erfolgreichste, innovative und erstklassige Live-Album The Turning Point in NY's "Fillmore East" einspielten. Das ist aber ein eigenes Thema.
"Blues From Laurel Canyon" kann ich als Album mit ***** nur empfehlen; John Mayall-Anhänger haben das ohnehin bereits.